SRF Impact Sendung vom 22.07.2026: Sie ist Domina – Männer bestrafen als Therapie?

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In dieser Sendung von Ende Juli erzählt die Domina Lady Alexandra, die sich selbst als Fetischlady bezeichnet, von ihrem Leben und ihrer Arbeit.

Das finden wir ja grossartig, dass im Fernsehen Menschen aus unserer Welt porträtiert werden – ein enorm wichtiger Beitrag dazu, die vielfältige Welt des BDSM zu normalisieren und entstigmatisieren. Denn “50 Shades of Grey” hin oder her, wir Kinksters begegnen Stigmata wie anderen Konfetti an der Fasnacht. 

Im Stigma-Bullshit-Bingo ganz weit oben sind “Das ist krank” und “Das ist Gewalt”. Ausgerechnet die beiden Gassenhauer werden im Porträt über Lady Alexandra reproduziert. Es fallen von ihr die Statements, dass man BDSM nur mit einer “zerbrochenen Seele” machen könne, wie auch, dass sie deswegen auf Männer “iibrätschen” will, weil sie selbst Gewalt von Männern erfahren habe. Diese beiden Statements mögen für die Lady Alexandra zutreffen, aber uff, bei Gott nicht für die kunterbunte Welt des BDSM. 

Da steckt sogar noch ein bisschen mehr dahinter, als blosses “nicht zutreffen”. Die Pathologisierung von BDSM, also die “Das-ist-psychisch-krank-auf-sowas-zu-stehen-Stempelung” von BDSM, geht zurück auf Psychiater der vorletzten Jahrhundertwende und hat sich im Bewusstsein der Allgemeinheit genüsslich festgekrallt. Glücklicherweise schlafen die tollen Psychiater:innen von heute aber nicht: Es wurde nicht nur in diversen Studien widerlegt, sondern sogar auch aus dem Standardwerk für die Diagnose psychischer Störungen ersatzlos gestrichen. Wenn jetzt in so einem Porträt über eine Domina ein Satz von “geht nur mit zerbrochener Seele” fällt, ohne dass das von den Journalist:innen kritisch hinterfragt oder den Filmemachenden entsprechend kontextualisiert wird, bestätigt das eine gängige, aber fachlich widerlegte Meinung, und hat mit der BDSM Szene echt nichts zu tun. Da die Lady Alexandra wie sie erzählt selbst auch eine Domina Schule besucht hat, hätte diese Überzeugung vielleicht auch schon hinterfragt werden können in ihrer Biographie. 

Genauso mag das Framing von SM als Ausleben von Rache für sie eine Motivation sein (und wir würden ihr einen anderen Beruf ans Herz legen), aber ach Mensch, wie grenzen uns schon so viele Jahrzehnte ab gegen diese Phantasie dass BDSMler:innen einfach gewalttätig sind, wir sind es müde. Man stelle sich vor, es gibt sogar tatsächlich Studien, die belegen, dass Leute die SM betreiben im Alltag bedeutend weniger sadistisch sind. In über 20 Jahren BDSM und aberhunderten Gesprächen mit anderen Kinksters ist mir “Rache” als Motivation noch kein einziges Mal begegnet. Nähe, Zärtlichkeit, emotionale Reise, Hingabe, Freude, trance-ähnliche Zustände dafür schon öfters.

Wir erwarten mehr von Journalist:innen 2026. Klar ist BDSM ein dankbares Click-Bait Thema und das erst recht, wenn man das “Männer verprügeln” als “Therapie” framen kann. Aber alte Vorurteile reproduzieren für mehr Clicks im Service public ist krass. Mit diesem Blog wenden wir uns an die zuständigen Journalist:innen, an die Ombudsstelle des SRG und publizieren ihn auf unserer Plattform, um für unsere vielfältige Szene einzustehen.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33547018
https://www.dropbox.com/scl/fi/chptzs5fwso2xacaa4zcg/Erickson-Sagarin-2021-OnlineFirst.pdf?_p_luid=25f725c6&rlkey=wxt0w0fg1mtwzpl8xeo3whfw4&e=1&dl=0

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